Radquer – ein Selbstversuch

vor 6 Jahren von silvio
Radquer? Gibt es das noch? Das war unsere Reaktion als Redbull uns zum Velodux und die Tortour zu ihrem 3-Tages Cyclocross Rennen einlud. Wir hörten uns in der Szene etwas um: „Wer heute etwas auf sich hält, kauft sich ein Querbike als Zweitvelo“, „Ein Quervelo ist Arbeitswegvehikel, Trainingsgerät und Racemaschine in einem“, oder „Man ist schnell unterwegs, muss aber vor Waldwegen und einfacheren Trails keinen Halt machen.“ Hört man da.

Na gut… Macht Sinn. Dennoch, Offroad fahren mit dünnen Pneus und ohne Federgabel – Das soll Spass machen? 

Ich wagte den Test. Der Norco Importeuer Indian Summer und die Radbar stellten mir dazu freundlicherweise ein Cyclocross Bike für dieses Abenteuer zur Verfügung.


Testbike Norco Treshold

„Schönes Teil, stylisch“, denke ich für mich als ich das Bike in Schmerikon in Empfang nehme und schwinge mich auf das ungewohnte Gerät. Dass man, wie oben erwähnt, nicht an die Strasse gebunden ist, in meinem Fall an die viel befahrene Seestrasse zurück nach Rapperswil, schätze ich bereits als ich in den Wald abbiegen kann. Ich fahre eine Schlaufe über Feld-, Wald-, und Wiesenwege und wage mich sogar auf einen flachen Trail. Tatsächlich: es macht Spass: Die Sitzposition ist bequem trotz Rennvelo Optik, man ist zügig unterwegs. Ich fliege durch den Wald und hänge noch eine Zusatzschlaufe an.

Auf die Rennstrecke
Nun will ich mir aber die volle Quer-Dröhnung geben. Ich melde mich bei der EKZ Cross Tour in Eschenbach an und staune über die Startlisten: rund 350 Rennfahrer/innen und 130 Kids sind gemeldet. Das Cyclocross Rennen hält somit locker mit Veranstaltungen wie der Swiss Downhill Cup mit. 


(Bild: EKZ Cross Tour) Auch die Hobbyfahrer kämpfen schulten ihre Quervelos

Am Tag vor dem Rennen besichtige ich die Strecke und bin heilfroh darüber. Ich würde mich als sehr guter Techniker auf dem Mountainbike bezeichnen, bin aber auf der Strecke, mit diesem Vehikel vorerst völlig überfordert. Insbesondere die extrem rutschige Schräghangabfahrt bringt mich zum Verzweifeln. Gefühlte 50 Mal fahre ich sie (bzw. falle sie runter), bis es einigermassen geht. Trösten tut mich der Umstand, dass es vielen Spezialisten nicht viel besser ergeht. Das Problem ist: je mehr alle probieren und die Strecke belasten, desto schwieriger wird die Stelle.


Auch die Profis bekunden Probleme im Training


(Bild: EKZ Cross Tour) Rutschpartie par excellence

Aber das ist Cyclocross: es wird keine Rücksicht auf Wetter, Streckenverhältnisse und technischen Limits der Fahrer genommen. Wer‘s nicht kann - läuft! Mit dem Mountainbike wäre man übrigens nicht schneller. Obwohl man hie und da in den Abfahrten etwas Zeit gut machen könnte, arbeitet sich das Quervelo effizienter durch den Dreck. Wo die dicken Bikepneus auf dem Matsch davon schwimmen und sich auffüllen, gräbt sich der Querpneu in den Untergrund und findet irgendwo den Grip.


(Bild: EKZ Cross Tour) Suche nach dem Grip


(Bild: EKZ Cross Tour)  Auch die Damen stellen sich der Herausforderung

Am Renntag war dann alles wieder anders. Über Nacht gefror der Boden. Es ist pickelhart. Es rüttel und schlägt. Ich staune wie weich die Könner vor mir über das Waschbrett fliegen, während es mich von einer Seite der Strecke zur anderen schlägt.


(Bild: Werner Jacobs - radquer.ch) pickelharte Unterlage


(Bild: Werner Jacobs - radquer.ch) anschieben, draufspringen, weitergeht's!

Ich hechle im Amateurfeld irgendwo hinter her. Denn Rest geben mir die Laufpassagen. Vom Bike springen, schultern, hochrennen, aufs Bike springen: Mir tun die Rythmusbrecher so richtig weh. Bei mir sieht das ganze sehr abgehackt aus. Beim späteren Sieger des Eliterennens Marcel Wildhaber hingegen fliessen die Bewegung. Generell: man hat eher das Gefühl, er fährt auf Schienen als mit 1.3 Zoll Reifen im Matsch.


(Bild: EKZ Cross Tour)  Marcel Wildhaber: ein Akrobat auf dünnen Pneus

Fazit
Flow gibt es im Radquer nicht. Es schüttelt, rüttelt und schlägt. Dennoch macht's Spass! Denn Cyclocross ist eine Herausforderung. Es ist pickfeine Technik gefragt. Radquer ist die Anti-These zum Fatbike. Die dünnen Pneus verzeihen keine Fehler. Man muss weich fahren können, keine Dämpfer oder breite Pneus verzeihen Fahrfehler. So wird jede Runde zur Challenge. Man will diese Kurve im rutschigen Gelände diesmal sauber umfahren können.

Die nächste Herausforderung mit dem Quervelo wird für mich die Cyclocross Tortour sein vom 12. bis 14. Februar. Dieser Event ist zwar eher dem Typ Gravelroadrennen zuzuordnen. Ein Format, welches sich in den USA und in Kanada immer grösserer Beliebtheit erfreut.

Links:
NZZ online: Spektakel im Schlamm
Tagesanzeiger online: Mehr als nur Dreck
Watson: Radquer ist hip

EKZ Cross Tour
TORTOUR Cyclocross Kommentare

silvio

vor 6 Jahren 1/4/2016

Tags — radquer cyclocross

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