Im Test: IBIS OSO

vor 2 Jahren von Traildevil



Ein Ibis... Schon verrückt, zu welchen Assoziationen vier Buchstaben führen können. Plötzlich setzt sich der Ohrwurm «Mendocino» der kalifornischen Hippie-Band Sir Douglas Quintett im Gehörgang fest. Nicht ohne Grund. Hippie Scot Nicol war es, der Anfang der 1980er-Jahre nicht nur Gemüse und anderes Grünzeug in seinem Garten in Mendocino anbaute, sondern auch eine Bike-Marke gründete. Er benannte sie nach einem Vogel mit einem langen, krummen Schnabel. Ein ordentliches Stück des originellen und unkonventionellen Gründer-Spirits hat sich Ibis bis heute bewahrt. In Zeiten, in denen andere kalifornische Marken wie Gary Fisher oder Bontra- ger längst von Konzernen geschluckt wurden wie Krebse und Frösche vom Ibis Vogel, lebt Ibis Bikes immer noch den Traum einer unabhängigen klei- nen Bike-Brand. Die Firma ist immer noch zu 100 Prozent im Besitz von Gründer Scot Nicol und vier weiteren Mitarbeitern. «Wir dienen keinem Konzernherrn!», heisst es auf der Website stolz.







KETTENSTREBEN IM MOTORRAD-LOOKNicht weniger stolz dürfte das Ibis Team auf seinen jüngsten Wurf sein: Das Oso ist der Einstieg der Kalifornier in das E-MTB-Segment. Und der ist zumindest ein Hingucker: Das Oso hat etwas von einem Motorrad. Das mag an den massiven, geschwungenen Kettenstreben liegen. Und ein wenig erinnert ihre Form an den Schnabel eines Ibisses. Auch wenn der Hinterbau auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich erscheint, verbirgt sich technisch gesehen dahinter das bewährte, sensibel ansprechende Ibis DW-Link-System mit virtuellem Drehpunkt. Beim Antrieb des stabil und bullig wirkenden Bikes lässt Ibis nichts anbrennen und setzt auf den kräftigen und fein dosierbaren Bosch Performance CX Motor mit ausdauerndem 750-Wh-Akku. Die Federelemente stammen aus dem Hause Fox und kommen aus den Regalen mit Top-Teilen: eine 38er Float Performance Gabel und ein Float X2 Performance Elite Dämpfer. 




SENSIBLES, SCHLUCKFREUDIGES FAHRWERK Also nichts wie rauf auf den Hippie-Bock, und die Paganella-Trails shredden! Die Sitzposition ist komfortabel aufrecht. Kein Wunder, schliesslich beträgt der Sitzrohrwinkel steile 78 Grad. Auch wenn das Oso mit 24,4 Kilogramm nicht zu den Leichtgewichten zählt, fährt sich das Bike geschmeidig bergauf. Der sehr sensibel ansprechende Hinterbau liefert eine geradezu himmlische Traktion. Die stimmt auch bergab. Damit sticht das Oso in puncto Performance viele Enduro-E-MTBs aus. Fiese Bremswellen im Bikepark, knorrige Wurzeltrails oder felsige Absätze auf alpinen Trails – war da was? Das Oso bügelt unbeeindruckt selbst raueste Pfade glatt. Man fühlt sich fast wie in einer High-End-Limousine, bei der man dank des hohen Fahrkomforts kaum merkt, dass die Höchstgeschwindigkeit erreicht ist. Vorausgesetzt, es ertönt nicht plötzlich ein dumpfer Schlag aus der Region unterm Motor. Denn wegen der tiefen Tretlagerposition sind Aufsetzer nicht ausgeschlossen. Das ist aber schon das einzige Manko an diesem individualistischen Baller-Enduro, das gerne auch einen auf plüschig komfortablen Tourer macht. Dank der Shimano XT-Bremsen mit riesigem 220-Millimeter-Rotor am Vorderrad hat man das Geschoss jederzeit gut in Griff. In engen Kurven erfordert das Oso Körpereinsatz und Entschlossenheit. Denn Wendigkeit zählt nicht zu seinen grossen Stärken. Auf den ersten Blick mag das Oso wie ein seltsamer Vogel wirken. Summa summarum aber haben die Ibis-Entwickler ihr Ziel erreicht, eine «spassige und fähige Abenteuermaschine zu bauen». Als i-Tüpfelchen gibt’s eine hochwertige Lupine Lichtanlage serienmässig. 

«Das Ibis Oso ist ein wahres Enduro- Schlachtschiff. Kein Kurs zu schnell, keine Wurzel- oder Felspassage zu rau – ein Bike zum Ballern. Seine Laufruhe imponiert mir mehr als die Wendigkeit. Trotz stattlicher 24,4 Kilo- gramm lässt sich das Bike mit etwas Tempo leicht manövrieren.» - Elisabeth Lanz


Kommentare

Traildevil

vor 2 Jahren 9/4/2023

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Hansueli Spitznagel