WHAT THE HELL: Die Datenkrake
vor 5 Jahren von Traildevil

«What the Hell!» So heisst unser Blog-Format, in dem wir uns mit aktuellen Mountainbike-Themen auseinandersetzen – von Techtalk und Sport, über Lifestyle und Szene-Gossip bis zu Bike-politischen Themen. Diese Woche geht’s um Daten. Und zwar um die Daten, die wir bewusst und auch unbewusst auf unseren Touren sammeln… Speed, Herzfrequenz, Watt – Strava-Kronen!
«What the Hell!», läuft bei euch die Uhr, das Smartphone oder Strava immer mit? Wir freuen uns auf eine angeregte Diskussion. Ihr habt Themen für uns: Dann nichts wie her damit unter redaktion@traildevils.ch
Datenkrake an Bord
«Was nicht auf Starva ist, ist nie passiert!» Der Spruch ist in der Bike-Szene leider so abgedroschen wie wahr. Egal ob auf der Hausrunde oder auf der Wochenendtour. Irgendwo versteckt sich immer ein Segment im Wald, wo es sich lohnen könnte, um eine Krone mitzukämpfen. Vorausgesetzt man ist ein kompetitiver Typ. Schaut man auf die «Heatmap», scheint es vor allem im Mittelland extrem viele kompetitive Typen zu geben – der Grossraum Zürich, aber auch Genf strahlen einem auf der Europakarte hellgelb entgegen.
Die Frage ist: Warum ist es uns so wichtig, dass wir nicht nur möglichst viel Zeit auf dem Bike verbringen, sondern vielleicht auch, dass das auch möglichst viel andere Menschen mitbekommen? Zugegeben, auch ich bin ein kleiner Datennerd. Zwar habe ich mich bisher den KOMs und KUDOs verweigert, dennoch tracken die Uhr am Handgelenk und auch der Bikecomputer am Gravelbike fleissig alle Aktivitäten mit und übertragen sämtliche Daten live aufs Smartphone.

Mein Durchschnittspuls auf der letzten Tour: 142 bpm, ideal für die aerobe Ausdauer (sagt die Uhr). Durchschnittliche Geschwindigkeit auf dem Trail: 16,9 km/h (der Experte erkennt, es ging mehr bergab als bergauf). Zusätzlich erinnert mich die Datenkrake am Handgelenk zuverlässig daran, dass ich, anstatt am Schreibtisch zu sitzen, doch mehr Schritte gehen sollte, checkt, ob ich genügend Schlaf abbekomme und ob die Work-Bike-Balance tatsächlich ausbalanciert ist. Und ganz nebenbei kann ich nirgends mehr verloren gehen, denn das Ding trackt quasi jeden Schritt und jede Pedalumdrehung mit.
Wer tatsächlich auf ein Ziel hintrainiert, für den sind die getrackten Touren und Vitalwerte ein sinnvolles Monitoring des eigenen Trainings. Bei erfolgreichen Bike-Profis und bei ambitionierten Hobby-Racern gehören zudem ein ordentlicher Bikecomputer samt Brustgut und eine Wattmesskurbel mittlerweile zur hochpreisigen Grund-Ausstattung. Wer strategisch trainiert, kommt mit KOMs allein nicht weiter. Denn vor allem die Wattwerte geben eine viel präzisere Auskunft über die persönliche Leistungsfähigkeit als beispielsweise die Herzfrequenz.

Thomas on fire! Die GPS-Uhr am Handgelenk läuft mit.
Ganz ehrlich: Als Biker ohne Race-Ambitionen bin ich zwar fasziniert, wie detailliert meine smarten Begleiter all die Daten sammeln und aufbereiten. Für eine strategische Auswertung nutze ich die Infos jedoch recht selten. Und da stellt sich doch die Frage: Warum sammelt man dann eigentlich die ganzen Daten? Geht es tatsächlich nur um die persönliche Dokumentation? Oder dann doch wieder um den digitalen Vergleich: Hauptsache mehr Höhenmeter als der Kollege, Hauptsache die schnellere Line bergab. Teile ich dann wirklich meine Leidenschaft oder befeuert es einfach das digitale Battle? Lohnt sich das Risiko, um dem KOM zumindest um ein paar Sekunden näher zu rücken? Klar, das sorgt schon auch für Progression. Aber macht das uns das wirklich zu besseren Sportlern oder befeuern auch Strava & Co. vor allem den allgemeinen Trend zur digitalen Selbstdarstellung?
Für meinen Teil lass‘ ich die Uhr weiter fleissig Daten sammeln. Ich bin gespannt, was da dieses Jahr noch alles zusammenkommt. Aber beim gemeinsamen Battle mit den Kollegen hat die Datenkrake nicht verloren.

Thomas Werz
Chefredakteur des BORN Mountainbike Magazins. Ist fasziniert, was seine Smartwatch und die Apps alles an Daten auf einer Tour aufsaugen. Doch anstatt digital um Krönchen zu kämpfen, bevorzugt er nach wie vor den analogen Gipfel- oder Ortsschild-Sprint. Kommentare