Shredden statt schrauben: Check dein Bike!

letztes Jahr von Traildevil
Nichts ist ärgerlicher, als basteln zu müssen, wenn man eigentlich Biken will. Vor allem dann, wenn sich Defekte längst angekündigt haben. Ein regelmässiger Bikecheck kommt der Zeit auf dem Trail zugute – und ganz nebenbei auch noch der eigenen Sicherheit. Darauf solltest du achten!



Moderne Mountainbikes sind echte Spassmaschinen, und stecken voller Feinmechanik, mittlerweile auch Elektronik. Die wird selbst bei pfleglichem Gebrauch ordentlich malträtiert, ist daher Verschleiss unterworfen, und wird irgendwann die Grätsche machen. Eigentlich ist das eine Binsenweisheit. Genau wie die Erkenntnis, dass das Schrauben am Bike ein integraler Bestandteil des Bikesports ist. Und dennoch sieht man immer wieder Mountainbikende, die unterwegs mit fummeligen Minitools krachende Schaltungen reparieren wollen, oder hundert Meter nach dem Trailhead feststellen, dass sich die Bremsleistung doch nicht mehr auf dem «geht schon noch» Niveau bewegt. Das ist nicht nur ärgerlich für die Pannenvögel selbst. Sondern auch für alle, die sie begleiten und sich beim Supporten die Finger dreckig machen, statt auf dem Trail Staub schlucken. Und so ganz nebenbei kann Nachlässigkeit bei der Wartung auch saugefährlich werden. Darauf solltest du achten – am besten regelmässig, und idealerweise bevor du zu einem Bike-Trip aufbrichst!

Wer nicht mehr bremsen kann, verliert!
Bremsscheiben, -Beläge, -Leitungen: Das alles ist schon im Neuzustand erstaunlich filigran. Wenn man dann auch noch bedenkt, welche Kräfte hier wirken, kann man bei der Prüfung gar nicht pingelig genug sein.  Eine Belagdicke von zwei Millimetern mag aktuell noch genügend Bremskraft bringen. Doch der Ausfall in naher Zukunft ist dann bereits vorprogrammiert. Baue regelmässig deine Bremsbeläge aus, reinige sie mit einem trockenen Tuch, und schmeiss sie beim geringsten Zweifel ins Altmetall. Bremsbeläge verschleissen nicht linear, sondern auf den letzten Millimetern besonders stark. Trotz eines regelmässigen Austausches immer mindestens einen Satz greifbar zu haben, ist übrigens eine Selbstverständlichkeit. Ach ja, und wenn die Beläge schon mal draussen sind, wirkt eine Portion Bremsenreiniger Wunder!




Ähnliches gilt für die Bremsscheiben. Ein paar Riefen sind zu verkraften. Doch spätestens, wenn die Scheibe dünner wird als der Rotor, taugen die Teile nur noch als Gartendeko. Viele Hersteller drucken ein «wear limit» auf ihre Scheiben – das sollte man ernst nehmen, und auch regelmässig mit einem Messschieber überprüfen. Auch hier nimmt der Verschleiss progressiv zu. Zwei Zehntel Millimeter über dem Wear limit können morgen schon verglüht sein. Raus damit!  Auch das Thema «Luft in der Leitung» ist bei Hydraulikbremsen leider ein Evergreen. Ein regelmässiges Pumpen an beiden Bremshebeln offenbart schnell, ob bald ein Ungemach droht. Ist der Bremspunkt knackig und klar definiert? Dann ist alles im grünen Bereich. Fühlt sich die Bremse beim ersten Ziehen schwammig an, und bringt erst nach zwei, drei Mal pumpen einen klaren Druckpunkt? Dann solltest du sofort reagieren! Kleine Luftbläschen im System sind mit einem passenden Belüftungskit schnell entfernt. Wenn sich der Hebel schon bis zum Griff durchziehen lässt, ist der Aufwand weit grösser. Welches Hydrauliköl deine Bremse benötigt, überlegst du dir am besten auch nicht erst auf dem Trail … 


Verschaubungen testen
«Nach fest kommt ab», ist eine alte Binsenweisheit. Für «locker» gilt das allerdings auch. Ein Fully hat zig Gelenke, die alle mit dem passenden Drehmoment festgeschraubt sein wollen. Und das sollte man regelmässig kontrollieren! Welches Drehmoment genau, ist in den meisten Fällen auf den Lagerschalen aufgelasert. Eine schöne Erkenntnis, die aber natürlich nur dann hilft, wenn man auch einen Drehmomentschlüssel greifbar hat. Die gibt es in allen Ausführungen, von CHF 50.- beginnend bis sündhaft teuer. Letztere mögen etwas robuster und genauer sein. Ja sicher, wer billig kauft, kauft zwei Mal. Aus Geldmangel auf ein Luxusmodell zu sparen, macht trotzdem keinen Sinn. Ein paar Newtonmeter Toleranz bei einer Verschraubung sind durchaus akzeptabel. Die Einstellung «das habe ich im Gefühl» eher nicht. Und wenn Carbon-Bauteile mit im Spiel sind (Stichwort: Vorbau und Lenker), dann schon gleich fünf Mal nicht. Ein wegen falscher Verschraubungen schwergängiger oder ausgenudelter Hinterbau ist im besten Falle ärgerlich. Ein abgerissener Lenker führt dagegen meist auf direktem Wege ins nächste Krankenhaus.   Auch den korrekten Sitz der Speichennippel solltest du übrigens aus Routine kontrollieren. Hier darfst du dich (mangels Alternative) durchaus auf dein Gefühl verlassen. Greife dir paarweise jeweils zwei Speichen und drücke kurz zu. Findest du auf diese Weise eine «weiche» Speiche, dann will der dazu passende Nippel angezogen werden. Wenn du diesen Schwachpunkt früh entlarvst, ist meist noch nicht mal ein Nachzentrieren notwendig. Wenn nicht, ist so ein Laufrad bald weich wie eine Hängematte. Eine mangelnde Spurstabilität des Bikes ist dann meist dein kleinstes Problem … 

Verschleissteil No.1 – die Reifen
Zum Thema «das richtige Reifenprofil» gibt es viele Philosophien. Keinesfalls Ansichtssache ist, dass ein beschädigtes Reifenprofil brandgefährlich werden kann. Ein wenig Verschleiss und ein paar abgerundete Stollen sind kein Problem – wer keinen Reifensponsor hat, wird damit ohnehin leben müssen. Angerissene Stollen, vor allem an den Seiten, sind dagegen ein echtes Sicherheitsrisiko, und führen bei harten Bremsmanövern schnell zu einem Abflug. Auch hier gilt: im Zweifel austauschen! Klar, gute Reifen sind teuer. Die eigene Gesundheit sollte deswegen trotzdem nicht billig sein.   Wer tubeless fährt, sollte dem Reifen präventiv hin und wieder mal einen zusätzlichen Schluck Dichtmilch gönnen. Und zudem den Reifendruck im Auge behalten! Klar, eine Tubeless-Bereifung lässt sich mit weniger Druck fahren, was dem Grip und dem Komfort zugutekommt. Zu wenig Druck kann aber bei Schrägfahrten dazu führen, dass der Reifen aus dem Felgenhorn gehebelt wird. Wer das schon einmal erlebt hat, will es kein zweites Mal erleben. Ein digitaler Druckmesser ist für Tubeless-Fans alles andere als nur ein fancy Gadget!




Schaltest du noch, oder krachst du schon?
Auch eine krachende Schaltung ist ein beliebter Tourenkiller. Sicher, ein solcher Schaden ist «nur» nervig, und nicht unbedingt sicherheitsrelevant. Obwohl? Wenn die Kette nur noch unter lautem Protest ihren Platz auf dem Ritzel findet, ist ein Kettenriss nicht nur blanke Theorie. Klar kann man den mit Nieten oder einem Kettenschloss auch unterwegs flicken. Wenn sich der Tag dem Ende zuneigt, und noch einige Kilometer bis zum Parkplatz bleiben, ist ein solcher Schaden trotzdem überflüssig wie ein Kropf. Und wenn die Kette im Wiegetritt reisst, steckt schnell mal ein Kettenblatt in der Wade… Wenn die Schaltung also nicht mehr läuft wie sie soll, ist eine baldige Ursachenforschung anzuraten. Dass ein Antrieb regelmässig gereinigt und geschmiert gehört, ist so grundlegend, dass es eigentlich keiner Erwähnung bedürfen sollte. Und trotzdem ist «Dreck im Antriebsstrang» der wohl häufigste Grund für eine krachende Fehlfunktion. Wenn hier alles blinkt und ölig schimmert, kommen ein paar andere Ursachen infrage.   Der erste Blick sollte dann dem Schaltauge gelten. Hängt das Schaltwerk gerade unter dem Ritzel, oder ist es vielleicht durch einen Sturz verbogen? Wer ein modernes Bike mit UDH Schaltauge besitzt, hat dann eventuell Glück – ein solches Schaltauge könnte bei einem halbwegs gut sortierten Bikeshop vor Ort auf Lager sein. Ein «generisches» Schaltauge sollte man dagegen zur Sicherheit selbst bevorraten. Denn hier verbauen die Hersteller so viele unterschiedliche Modelle, dass selbst Flagship-Stores meist nachbestellen müssen. Wenn es das nicht ist, könnte auch eine verschlissene und gelängte Kette der Missetäter sein. Das lässt sich mit einer speziellen Kettenlehre schnell überprüfen. Auch wenn der Test ein «geht gerade noch» ergibt, sollte die Kette ausgetauscht werden. Andernfalls wird schnell auch mal das Ritzelpaket in Mitleidenschaft gezogen. Und dessen Austausch ist, nicht nur bei 1x12 Schaltungen, ein richtig teurer Spass. Wenn die Ritzel schon mehrere Ketten gesehen haben, können natürlich auch sie zum Kettenfresser werden. Eine Sichtkontrolle schafft hier Klarheit – letztlich kennst du ja die Vorgeschichte deines Bikes. Als vermeintlich kleine Ursache haben auch ausgenudelte Schaltzüge eine grosse Wirkung. Klar kann man auch deren Spannung am Schalthebel justieren – allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Schaltzüge kosten nun wirklich nicht viel, und sind mit ein wenig Schrauberroutine in ein paar Minuten gewechselt. Den Spass sollte man sich spätestens dann gönnen, wenn sowieso eine neue Kette fällig ist.



Sauber ist besser
Zugegeben, ein Check der oben genannten Punkte mag in wenigen Minuten erledigt sein. Einen dann bemerkten Schaden zu beheben ist eine weit grössere Aktion. Glücklicherweise kann man Schäden am Bike innerhalb gewisser Grenzen vorbeugen. Durch Putzen! Damit hat es nun wirklich nicht jeder. Doch wer seinem Bike nach einem Trailtag konsequent eine Dusche mit folgender Schmierung gönnt, verlängert die notwendigen Wartungsintervalle spürbar. Wer oft im Bikepark unterwegs ist, wird das ohnehin tun. Für alle anderen wäre die Anschaffung eines akkubetriebenen Mitteldruckreinigers eine überlegenswerte Option. Klar, der kostet um die zweihundert Stutz. Aber wer sich überlegt, wie sehr sich der Austausch von Verschleissteilen läppern kann …  Kommentare

Traildevil

letztes Jahr 5/24/2024

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Hansueli Spitznagel