Legal ist besser

vor 3 Monaten von Traildevil



«What the Hell!» So heisst unser neues Blog-Format, in dem wir uns regelmässig mit aktuellen Mountainbike-Themen auseinandersetzen – von Techtalk und Sport, über Lifestyle und Szene-Gossip bis zu Bike-politischen Themen. Diese Woche antwortet unsere Autorin auf Thomas Gigers Kommentar im Ride Magazin «Illegal ist gut». Kann man das so stehen lassen, fragt sie sich – oder ist die Schlussfolgerung nicht eine ganz andere?

Lieber Thomas, wie immer bewundere ich, wie du kontroverse Meinungen ins Gespräch bringst und provokante Thesen aufstellst, die eine lebhafte Diskussion garantieren. Das gelingt dir mit «Illegal ist gut!» alleine mit der Überschrift. Aber mal im Ernst, passt die wirklich zu den Schlussfolgerungen, die sich eigentlich aus deinem Text ableiten lassen?  

Altbackener Förster, rebellischer Biker?
Von «Empörung» und «Skandalgeheul» gegen den illegalen Trailbau schreibst du, fehlen nur noch Zeter und Mordio. Da werden die Kritiker des illegalen Trailbaus durch die Wortwahl schon recht unsortiert in eine etwas alte, verstaubte Schublade gepackt. Aber natürlich ist Kritiker nicht gleich Kritiker. Ebenso wenig, wie sich illegale Trailbauer und ihre Werke über einen Kamm scheren lassen. Da gibt es wilde Trails, die, ähnlich wie selbstgebaute Hütten, schnell wieder verschwinden, wenn ihren jungen Erbauern irgendwann schlichtweg die Zeit oder Lust fehlt, im Wald die Schaufel zu schwingen. Dann gibt’s aber auch die Lines von denen, die schon länger die Schule hinter sich gelassen haben, die etwas Anderes, vielleicht etwas Extremeres, oder schlichtweg etwas Eigenes wollen. Und ich würde vermuten, die älteren ordnen sich dabei mehr als «Rebellen» ein, als es die Jungen tun … Aber das nur am Rande.
Mal ist die Wirkung der Trails, wie du schreibst, minim, mal ist sie es nicht. Dabei geht es nicht immer um Schäden an Boden, Vegetation, oder für wirtschaftliche Ziele, sondern manchmal auch «nur» um Störung von Lebensräumen.  



Offizielle Trailbauarbeiten bei Andermatt (Foto: BORN / Thomas Werz).

Weder illegal, noch gedultet, sondern legal
Ich gebe dir völlig Recht: Illegaler Trailbau ist nicht «skandalös». Er ist logisch. Weil er, wie du auch schreibst, eine Reaktion auf fehlende Infrastruktur ist (wenn auch nicht immer). Er ist eine Art Heatmap für Bedürfnisse. Und ja, er bietet deshalb auch eine Chance – wenn es um die Erkenntnis geht, dass es Alternativen braucht. Die werden aber in den wenigsten Fällen aus den illegalen Trails selbst entstehen. Sprich, das angelegte Trails nachträglich legalisiert werden, ist seltener der Fall, als das gemeinsam mit anderen Anspruchsgruppen ein geeigneter Verlauf für eine neue Strecke gesucht wird. So, wie es viele etablierte und neu gegründete Vereine machen, die sich für ein adäquates Angebot einsetzen. Illegaler Trailbau macht ihnen das Leben schwer.
Ganz klar, das Potenzial der Erbauer sollte genutzt werden, das sehe ich ähnlich wie du. Wer Bock auf Bauen hat, sollte nicht gebremst werden, sondern die Möglichkeit dazu erhalten. Aber: Ganz legal, oder? Geht’s uns nicht darum, die Grundlagen zu schaffen, weder illegal noch geduldet, sondern uns legal und selbstverständlich als Mountainbiker bewegen zu dürfen? Müsste es daher nicht vielmehr heissen, «illegal ist doof»!?
 

Old School, New School, Ponyhof?
Ich finde es fast schon Old School, wilde Trails zu bauen. Ist es nicht viel zeitgemässer, sich als Teil der wachsenden Community für legale Trails und die nötigen Grundlagen einzusetzen, sich zu organisieren, sich zu committen, Verantwortung zu übernehmen? Und: Wo nötig auch Kompromisse einzugehen? Denn einfach drauf los bauen heisst – ganz ohne Verteufelung – in der Regel auch kompromisslos bauen. Vielleicht ist meine Vision von gegenseitigem Respekt, von Verständnis für Interessen über die eigenen hinaus, aber auch ein Ponyhof – und das Leben ja bekanntlich keins.
Trotzdem glaube ich, die Zeiten sind gar nicht so schlecht. Mehr und mehr Verantwortliche erkennen, nicht zuletzt durch das veränderte Freizeitverhalten in Coronazeiten, dass es Angebote braucht und diese sogar noch anderen Mehrwert bieten. Wer den offiziellen Bewilligungsprozess wählt, blitzt nicht mehr überall sofort auf den Ämtern ab, sondern stösst tatsächlich auch auf offene Ohren. Vielleicht müssen wir ja gar keine völlig neuen Konzepte aushecken, sondern auf dem eingeschlagenen Weg weitermachen.  Aufregen wird sich aber sicher immer irgendjemand.


Mirjam Milad




Jahrgang 1982, freie Redakteurin, schreibt seit vielen Jahren für unterschiedliche Mountainbike-Medien in Deutschland und der Schweiz. Seit 2020 auch Geschäftsführerin des Mountainbikevereins in Freiburg i. Br. Kommentare

Traildevil

vor 3 Monaten 9/23/2021

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